Problemstellung

Der Bau neuer und effizienter Fabriken inklusive Implementierung moderner Produktionstechnik ist eine wichtige Voraussetzung für eine wettbewerbsfähige und ressourcenschonende Produktion in Deutschland. Dabei sind die Abläufe auf Baustellen problembehaftet und erfordern vom jeweiligen Mitarbeiter zumeist das Aufsuchen des Baustellenbüros, in welchem die notwendigen EDV-Geräte und Softwarelösungen zur Aufgabenlösung vorhanden sind. Die fehlende Rückkopplung zwischen Planungs- und Realisierungsprojekt führt dabei zu einer mangelhaften Transparenz, Doppelarbeiten und erschwert zudem die Beurteilung der Planungsgüte innerhalb der Realisierung. Aus diesem Grund wird im Projekt „mPRO“ ein Modell erarbeitet, dass das mobile Projekt- und Änderungsmanagement auf Baustellen unterstützt und zur Verknüpfung von Planungsprojekten und Projekten zur Realisierung von Fabriken beiträgt. Die Ergebnisse münden in einem rechentechnischen Funktionsmuster, welches auf mobilen Endgeräten verwendet werden kann.

Ausgangssituation

Das Genehmigungsvolumen für neue Fabrik- und Werkstattgebäude in Deutschland betrug 2013 ca. 3,9 Milliarden Euro. (Statistisches Bundesamt, 2015) Baustellen bei der Errichtung von Werkhallen und Produktionstechnik sind gekennzeichnet von einer hohen sozialen und technischen Komplexität. In Realisierungsprojekten agieren eine Vielzahl unterschiedlicher Beteiligter und Gewerke (z.B. Ingenieure, Geologen, Architekten und Installateure) miteinander. (vgl. Heche, 2004; Oehme, 2014) Für die erfolgreiche Abwicklung ist die Erfahrung der einzelnen Mitarbeiter, Flexiblität bei der Koordination, Kommunikation und Kollaboration der Gewerke notwendig. (i.A.a. Ebert, 2002) In Bezug auf Industrie 4.0 muss die zunehmende Dynamik der technischen Komplexität, multiplikative Vernetzungseffekte sowie eine effiziente Datennutzung nicht nur bei der Anlagentechnik selbst berücksichtigt werden (ROI Management Consultants, 2017), sondern auch bei der gesamten Projektabwicklung als solches.

Probleme bei Realisierungsprojekten

Die Dokumentation des Bau- bzw. Projektfortschritts sind immer mit einem hohen Arbeitsaufwand verbunden. Darum wird sie oftmals von den Projektbeteiligten nicht im erforderlichen Umfang durchgeführt. Eine lückenlose Dokumentation ist jedoch notwendig um die erbrachten Leistungen gemäß vertraglicher Vereinbarungen abzubilden sowie Minderleistungen beim Lieferanten geltend zu machen. Dokumentationstätigkeiten umfassen beispielsweise das Melden und Dokumentieren von Bauschäden oder -mängeln, die Protokollierung des Baufortschritts (z.B. durch Fotos), das schnelle und ortunabhängige Digitalisieren von Dokumenten (z.B. Lieferscheinen, Arbeitszeitnachweisen, Sicherheits-unterweisungen, etc.). (i.A.a. Hofstadler, 2014)
Der klassische Ablauf auf einer Baustelle ist problembehaftet und erfordert vom jeweiligen Mitarbeiter zumeist das Aufsuchen des Baustellenbüros, wo die benötigten EDV-Geräte und Softwarelösungen vorhanden sind. (Initiative Neue Qualität der Arbeit, 2015) Auf großen Baustellen ist dabei das Überwinden langer Wege im Fabrikgelände notwendig. Das bedeutet zusätzlichen Aufwand und reduziert verfügbare Kapazitäten von Mitarbeitern für zur Durchführung wertschöpfender Tätigkeiten. (i.A.a. Oehme, 2014; Oehme, Jentsch & Müller 2015).

In Fabrikplanungsprojekten werden die grundlegenden Planungsdaten basierend auf den Fabrikplanungsschritten (Aufbereiten des Produktionsprogrammes, Funktionsbestimmung, Dimensionierung, Strukturierung und Gestaltung) erarbeitet. Im Ergebnis liegen diese Informationen in einer Vielzahl verschiedenster Dateien und in einem Abschlussbericht gebündelt vor. (vgl. Oehme, 2014) Die demzufolge schwierige Rückkopplung zwischen Planungs- und Realisierungsprojekten führt ebenfalls zu einer mangelhaften Transparenz und erschwert die Beurteilung der Planungsgüte innerhalb des Realisierungsprojektes. Außerdem sind kontinuierliche Verbesserungen des Planungsvorgehens aufgrund der neu gewonnenen Erfahrungen bei der Realisierung nur mit hohem Aufwand möglich. (i.A.a. PWC, 2015) Ein durchgängiges Änderungsmanagement erfordert die Berücksichtigung von Planungs- und Realisierungsprojekt gleichermaßen. Ausgangslage und Problemstellung werden in der nachfolgenden Abbildung 1 dargestellt.

Fazit: Die im Rahmen der Ausgangssituation beschriebenen Probleme müssen beseitigt werden. Dies wird einen nicht unerheblichen Beitrag leisten, Fabriken effizienter und kostengünstiger zu planen und anschießend zu realisieren.

Erweiterte Darstellung der Problemstellung des FuE-Projektes mPRO


mPRO - Integration von Planungsvorgehen, Projektbearbeitung und Projektdokumentation für Fabrikplanungsprojekte